Mittwoch, 28. Januar 2015

DAS FASS OHNE BODEN, DAS LIEBE VERSICKERN LÄSST

Das größte Problem und Hindernis,
 das Menschen, die Angst vor der Liebe haben, behindert,
 ist das mangelnde Vertrauen in sich und die Welt 
und der schwache SelbstWert.
Ich möchte gleich zu Beginn erwähnen, dass sowohl die Loslasser-Klammeräffchen davon betroffen sind als auch die Liebesflüchter.
Bereits als Kinder machten beide durch mehr oder weniger traumatische Verlusterlebnisse und Vernachlässigung die Erfahrung, 
dass niemand wirklich für sie da ist, 
dass sie in angstmachenden Situationen alleine sind, 
dass niemand es ernst meint und dass sie niemandem trauen können - 
nicht ihren Eltern, nicht anderen Menschen, nicht der Welt und 
auch nicht sich selbst.
Diese Erfahrungen haben sich tief und prägend in die Psyche eingegraben
 und so lange Angst und Misstrauen nicht geheilt sind, 
werden sie immer und immer wieder - meist auf unbewusster Ebene - 
Glück, Liebe und Erfüllung im Keim ersticken.
Die Psyche sabotiert sich auf diese sehr subtile Weise selbst,
 indem sie Situationen im Außen kreiert, die genau das bestätigen, 
wovon der Mensch im tiefsten Inneren so sehr überzeugt ist - 
nämlich, dass er Liebe und Glück nicht verdient hat 
und dass Liebe gleichbedeutend mit Schmerz und Leid ist.
Der Liebe ist nicht zu trauen.
 Sie hat noch nie Gutes bewirkt.
 Sie hat nur Leid und Schmerz in der Kindheit gebracht,
 als das Kind sich voller Liebe seinen Eltern anvertraut hatte. 
Und enttäuscht wurde. 
Nicht gesehen wurde. 
Nicht gehört wurde. 
Nicht anerkannt wurde.
 Nicht geliebt wurde.
Der größte Verbündete der seelischen Verletzung
und des Misstrauens ist der Verstand. 
Das Herz würde sich so gerne der ersehnten Liebe öffnen wollen, 
doch der Verstand findet immer wieder sehr gute, rationalisierte Gründe, 
wieso Liebe (oder eine Beziehung mit dem Menschen, den man lieben möchte) ohnehin zum Scheitern verurteilt ist und nur zu weiterem Schmerz und Unglück führt.
Das führt dazu, dass Menschen, die Angst vor Liebe haben, 
oft Partnerschaften eingehen oder in Beziehungen bleiben, 
die ihnen nicht so nahe gehen, dass sie ihre Verlustangst wirklich aktivieren kann. Auch hier findet der Verstand dann "gute" Gründe,
 wieso dies der bessere (und scheinbar sichere) Weg ist. 
So verschließen sich diese so sensiblen, verletzlichen Menschen gekonnt 
vor einer Partnerschaft mit dem Menschen, der sie auf tiefster Seelenebene berührt und mit dem sie echte, heilsame Erfahrungen der Liebe machen könnten 
(wenn sie bereit wären, sich darauf einzulassen). 
Der Spatz in der Hand scheint auf jeden Fall sicherer als die Taube auf dem Dach, deren Liebe ohnehin nicht zu trauen ist und die mit Sicherheit wegfliegen
 und sich anderen zuwenden wird, wenn sie erkennt,
 wie wertlos man doch in Wahrheit ist 
(das sind die Gedanken liebesängstlicher Menschen und nicht die Realität).
Menschen, die Angst vor Liebe haben, 
haben ein großes Problem, ihren eigenen Wert zu erkennen. 
Dieser SelbstWert wurde ihnen in ihrer Kindheit von ihrem Umfeld nicht zugesprochen. 
Ein Kind, das bedingungslos geliebt wird, 
kennt seinen Wert, es hat diesen Wert fest in sich verankert und zweifelt nicht daran. Ich merke das bei meiner Tochter, deren Selbstwert nahezu unerschütterlich ist - ganz egal, ob ein anderes Kind sagt, dass sie hässlich sei - 
sie weiß einfach, dass sie es nicht ist. 
Ganz egal, ob jemand ihr sagt, das kannst du nicht - 
sie weiß, sie kann das schaffen. 
Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. 
Ich bin immer wieder erstaunt und sehr erfreut darüber, 
wie gefestigt sie diesbezüglich ist.
Ein Mensch, der als Kind entweder nicht oder nur dann geliebt wurde, 
wenn es die Bedingungen seiner Eltern erfüllte,
 indem es brav und angepasst war und/oder sich durch Leistung hervortat, 
wird seinen Wert immer davon abhängig machen, wie andere Menschen ihn sehen.
 Er wird süchtig sein nach Anerkennung und Liebe 
und nahezu alles dafür tun, um diese zu erhalten.
Es fällt diesen Menschen schwer, an ihren Wert, an ihre LiebensWürdigkeit zu glauben, weil sie im Innersten ganz und gar nicht davon überzeugt sind.
 In ihrem Innersten fühlen sie eine Wertlosigkeit 
und dass sie Liebe und Glück nicht verdient haben. 
Alle Komplimente oder Bestätigungen anderer Menschen, 
dass sie liebenswert sind, werden sie nur oberflächlich erreichen 
und kurzfristig befriedigen. 
Sie werden dennoch versuchen, immer wieder auf alle möglichen Arten Liebe und Anerkennung zu bekommen von außen - durch Arbeit, durch Leistung, durch Flirten und Abtesten des eigenen Wertes etc. 
Es wird ihnen einen kurzen Höhenkick geben, der sie eine Weile berauschen wird,
 aber all das wird versickern in ihnen wie in einem Fass ohne Boden.
Der Boden, der das Fass abdichten würde,
 ist die SELBSTLIEBE und Selbstachtung. 
Deswegen ist es so wichtig, dass wir daran arbeiten. 
Wir alle.
 Nicht nur unsere Liebesflüchter. 
Auch wir Loslasser-Klammeräffchen.
Die Selbstliebe ist die Basis für beide Dualseelenpartner, 
um dauerhaft aus der Wertlosigkeitsfalle 
und aus dem Liebesglückstief zu entkommen.
Liebe heilt. 
Selbstliebe heilt.
Und alles kann gut werden.
(© Mona Dellwo, Januar 2015)

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Buchtipps zum Thema Selbstliebe:
* Endlich gut genug! -
 Von der Sucht nach Perfektion zu mehr Selbstliebe, Gelassenheit 
und innerem Frieden, 
Susanne Hühn
* Lerne, dich selbst zu lieben, dann liebt dich das Leben:
 Sabine Standenat
* Heirate dich selbst: 
Wie radikale Selbstliebe unser Leben revolutioniert, Veit Lindau
* Das weise Herz: 
Die universellen Prinzipien buddhistischer Psychologie, Jack Kornfield
* Vom Glück, sich selbst zu lieben: 
Wege aus Angst und Depression, Heinz-Peter Röhr